ACH WIE SCHÖN IST STUTTGART. PHILOSOPHIERKANTINE STADTENTWICKLUNG.

Wir laden herzlich zur Veranstaltung „Ach, wie schön ist Stuttgart. Philosophierkantine Stadtentwicklung“ am Dienstag den 26. März 2019 um 18:30 Uhr in die Mensa Stuttgart-Mitte (Holzgartenstrasse 11) ein.

Nach kurzen Inputvorträgen von spannenden ReferentInnen wird bei Suppe und Wein gemeinsam an runden Tischen u.a. über das „Stuttgarter Stadtentwicklungskonzept (STEK)“, Potenziale der Stadt und zeitgemäße Strategien der Satdtentwicklung diskutiert. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Die Veranstaltung ist Bestandteil einer Veranstaltungsreihe die vom „Informellen Stadtentwicklungsdialog ISD“, in dem das Reallabor Space Sharing mit weiteren Institutionen aus Stuttgart Initiator ist. Gemeinsam haben wir im letzten Jahr ein Positionspapier für einen nachhaltigen Dialog zur Stadtentwicklung in Stuttgart erarbeitet, den Sie hier lesen können:

„Stuttgart weiterdenken!

Initiative Stadtentwicklungsdialog (ISD)
Gemeinsames Positionspapier für einen nachhaltigen Dialog zur Stadtentwicklung in Stuttgart

Präambel
In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und krisenhafter Rahmenbedingungen, im Kontext großer städtebaulicher Transformationsprozesse und großer Verlustängste wächst das Interesse an der Stadt und an der Stadtentwicklung in der Bevölkerung, bei Stakeholdern, Institutionen und gesellschaftlichen Gruppierungen. In Stuttgart haben Projekte und Initiativen wie „Stuttgart 21“, „Kultur im Dialog“ oder „AUFBRUCH Stuttgart“ stadtweite Aufmerksamkeit erzeugt und die Menschen auf die Straße und in die Säle gebracht. Dieses große Interesse an der Stadt und der Stadtentwicklung gilt es seitens der Stadtplanung zu begleiten und zu unterstützen. Ein dauerhafter Dialog mit der Stadtgesellschaft – den bürgerschaftlichen Initiativen, Stakeholdern und Institutionen – über die Stadtentwicklung und anzustrebende Entwicklungsziele in Stuttgart ist somit nicht nur wünschenswert, sondern unerlässlich.

1. Struktur und Prozess
Jede Stadt braucht langfristige Entwicklungskonzepte mit einer klaren und gemeinsamen Vorstellung über die Zukunft, die der Stadt für die nächsten Jahre den Weg weist. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart braucht eine Vision und nachhaltige Strategien für die Weiterentwicklung der Stadt!
Vor diesem Hintergrund wurde im Sommer 2017 eine Initiative gestartet, der sich  eine Vielzahl von Berufsverbänden, Hochschulen und bürgerschaftlichen Initiativen aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung, Städtebau und Stadtbaukultur angeschlossen hat. Dieses „Bündnis zur Stadtentwicklung“ –  hat sich vorgenommen, an einer gemeinsame Haltung zur künftigen Stadtentwicklung zu arbeiten und hierzu einen öffentlichen Diskurs einzuleiten.

Mit einer vom Bündnis konzipierten und organisierten Veranstaltungsreihe im Frühjahr 2019 soll die Forderung nach neuen Strukturen und Prozessen der Stadtentwicklung Stuttgart in die Öffentlichkeit getragen werden. Für eine langfristige Handlungsfähigkeit bedarf es jedoch gefestigter Strukturen mit ausreichend Kapazitäten und angemessener Finanzierung.

Wir fordern dazu einen öffentlichen, offenen und transparenten Dialog von Verwaltung und Politik mit der Stadtgesellschaft und der dort vorhandenen fachlichen Expertise, in dem gemeinsame Perspektiven für die Stadt entwickelt werden und der den Stadtentwicklungsprozess permanent begleitet.

Auf der Grundlage dieses Dialoges sollte das vorhandene Stadtentwicklungskonzept Stuttgart (STEK) überarbeitet und in regelmäßigen Abständen angepasst und weiterentwickelt werden. Dieses muss künftig dynamisch und veränderbar angelegt sein, Ziele müssen überprüfbar und anpassbar werden. Dabei sollten bedeutsame Projekte aufgegriffen, vor allem aber die prägenden Grundlinien und Haltungen der Stadtentwicklungsplanung entwickelt und abgebildet werden.

Die Planungsvorstellungen müssen in der Stadtgesellschaft hinein vermittelt und aus ihr heraus erarbeitet werden. Dies erfordert eine politische Legitimierung, geeignete (Arbeits-) Strukturen, ausreichende Kapazitäten, regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit, angemessene Finanzierung sowie einen festen Ort, so dass ein dauerhafter, offener, transparenter Dialog und damit ein neues Selbstverständnis von Stadtentwicklung in Stuttgart entstehen und etabliert werden kann.

Dazu gehören eine dauerhaft eingerichtete Koordinationsstelle bei der Stadt Stuttgart, die den Diskurs begleitet, dokumentiert, öffentlichkeitswirksam verbreitet und organisiert, ebenso wie regelmäßige Sitzungen und Veranstaltungen, bei denen die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik mit der Stadtgesellschaft und der dort vorhandenen fachlichen Expertise zusammen kommen. Hierbei sollten  vor allem auch die bisher am Prozess beteiligten Personeneinbezogen werden, um den angestoßenen Dialog fortzuführen und richtungsweisend zu begleiten. Neben klaren Verantwortlichkeiten braucht es in Zukunft auch eine Verortung des Stadtentwicklungsdialogs in der Stadt Stuttgart. Das bedeutet nicht nur ideelle Unterstützung, sondern auch die laufende Finanzierung unterschiedlichsten Veranstaltungs- und Beteiligungsformate aus dem städtischen Haushalt.

2.  Grundhaltung und Zielsetzungen
Aktuelle Veränderungsprozesse beeinflussen die Stadtentwicklung auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen. Das macht eine Neuausrichtung der Stadtentwicklungspolitik unumgänglich.

Stuttgart zieht Menschen und Unternehmen an und das ist gut so. Damit wird sich die Stadt in den nächsten Jahren weiter verändern – und doch wollen wir Stuttgart bleiben! Veränderungen bedeuten aber nicht nur Verlust oder Belastung für die hier lebenden Menschen, sie eröffnen auch neue Gestaltungsspielräume. Und natürlich will die Stadtgesellschaft bei der Lösung aktueller Probleme mitreden und den Veränderungsprozess in der Gesamtstadt mitgestalten.

Wo und wie kann sich Stuttgart verändern? Wie schaffen wir es, das Wachstum und die Wohnungs- und Gewerbeentwicklung mit dem Erhalt von Freiräumen und mit dem Anspruch einer sozial integrierten Stadt in Einklang zu bringen? Wo sind Grenzen des Wachstums erreicht und welche Dichten verträgt die Stadt?

Wie wollen wir in der Stadt leben, wie wollen wir hier zusammenarbeiten? Was wollen wir als Stadtgesellschaft in dieser Stadt verändern? Was ist das „Narrativ“ für Stuttgart?

Belastbare Antworten auf solche Fragen können nur in einem offenen und dauerhaft angelegten Austausch in der Stadtgesellschaft und mit der Stadtverwaltung gefunden werden..

Stadtentwicklung muss sichtbar und diskutierbar werden. Dazu brauchen wir einen dynamischen Masterplan für Stuttgart und zugleich eine offene Dialogplattform, auf der Stadtentwicklung koproduktiv und auf gleicher Augenhöhe diskutiert und entwickelt werden kann!

3. Inhalte

Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung auf der DIALOG-Plattform geht es aus heutiger Sicht unter Anderem um folgende Themen:

  • Wie können die soziale und demografische Transformation gestaltet, Gentrifizierung vermieden und Vielfalt und Urbanität verstärkt werden?
  • Wie kann eine sozial gerechte Bodenordnung gefördert werden? Wie kann der Wohnungsknappheit angemessen begegnet werden?
  • Welche Chancen bietet der wirtschaftliche Strukturwandel, welche Perspektiven und Strategien gibt es für die lokale Wirtschaft? Welche Spielräume bieten sich für Strategien wie „Sharing Economy“ und „Produktive Stadt“?
  • Wie und wo können neue Wohn- und Arbeitsquartiere entstehen, die dem Leitbild der gemischt genutzten Stadt wirklich entsprechen?
  • Welche Chancen liegen in einem veränderten Mobilitätsverhalten, im Umbau der „autogerechten Stadt“? Welche Möglichkeiten entstehen hier für die Stadt?
  • Welche Klimaanpassungsstrategien sind erforderlich, um dem Klimawandel angemessen zu begegnen, Grünräume und Biodiversität zu erhalten und zu fördern?
  • Wie können Umweltgerechtigkeit und Nachhaltigkeit gefördert, wie kann effizienter mit unseren Ressourcen umgegangen werden?
  • Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf die Stadtentwicklung?
  • Wie können öffentliche Räume, öffentliche Nutzungen (im Quartier) verstärkt die Gemeinschaft fördern? Wie kann der „menschliche Maßstab“ verstärkt in der Stadtentwicklung verankert werden? Wie und wo können Möglichkeits- und Experimentierräume geschaffen werden?
  • Wie können vorhandene und geplante Kultureinrichtungen zur Stärkung einzelner Stadtquartiere und der Gesamtstadt genutzt werden?  Wie interagieren „Hochkultur“, „Alltag“ und Subkultur“?
  • Wie verhält sich künftig das Verhältnis von Kernstadt, Stadtteilen, Quartieren untereinander und zur Region? Wie sieht die stadtregionale Zusammenarbeit, wie sieht die Aufgabenteilung aus? Wie können Synergien verstärkt werden?

4. „Appell“ zur Stadtentwicklung

Ja, wir bekennen uns zu Stuttgart.

Die Entwicklung einer Stadt ist ein nie abgeschlossener dynamischer Prozess. Sowohl ihre Bedingungen als auch ihre Ziele sind permanenten Veränderungen unterworfen. Ein tragfähiges Stadtentwicklungskonzept muss dieser Dynamik entsprechen. Diskussions- und Arbeitsformate müssen ebenso wie das Konzept selbst offen und veränderbar angelegt sein. Zugleich muss ein es aber eine klare Vorstellung davon vermitteln, wie sich die Stadt in Zukunft entwickeln soll. Dies gilt sowohl für die übergeordneten wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Ziele als auch für deren Umsetzung in konkreten räumlichen Zusammenhängen.

Die Entwicklung einer Stadt ist ein nie abgeschlossener dynamischer Prozess. Sowohl ihre Bedingungen als auch ihre Ziele sind permanenten Veränderungen unterworfen. Ein tragfähiges Stadtentwicklungskonzept muss dieser Dynamik entsprechen. Diskussions- und Arbeitsformate müssen ebenso wie das Konzept selbst offen und veränderbar angelegt sein. Zugleich muss ein es aber eine klare Vorstellung davon vermitteln, wie sich die Stadt in Zukunft entwickeln soll. Dies gilt sowohl für die übergeordneten wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Ziele als auch für deren Umsetzung in konkreten räumlichen Zusammenhängen.

Das vorhandeneStadtentwicklungskonzept Stuttgart (STEK) soll deshalb zu einem dynamischen Masterplan weiterentwickelt werden, der:

  • die langfristigen Ziele der Stadtentwicklung definiert, permanent überprüft und ergänzt,
  • ein klares und zugleich anpassungsfähiges räumliches Leitbildes für die Gesamtstadt unter Einbeziehung regionaler Bezüge entwickelt und
  • für Gebiete mit besonderer Bedeutung oder Entwicklungsdynamik inhaltliche und stadträumliche Zielvorstellungen konkretisiert.

Damit sich die Stadtentwicklung in Zukunft wirklich an ihm ausrichtet, muss dieser Masterplan von der Stadtgesellschaft in ihrer ganzen Breite getragen, diskutiert und weiterentwickelt werden.

Dazu fordern wir einen permanenten, offenen und transparenten Dialog zwischen Verwaltung, Politik und der Stadtgesellschaft mit der in ihr vorhandenen Fachexpertise.

Für diesen Dialogprozess fordern wir politische Legitimation, Arbeitsstrukturen, angemessene Finanzierung sowie einen Ort, an dem sich die Aktivitäten konzentrieren lassen.

Nur im dauerhaften Dialog kann ein neues Verständnis von Stadtentwicklung entstehen. An dieser „Vision für Stuttgart“ möchten wir gemeinsam arbeiten.

Die Unterzeichner

  • AKBW, FÜNF Stuttgarter Kammergruppen, Architektenkammer Baden-Württemberg
  • BDA,  Kreisgruppe Stuttgart, Bund Deutscher Architekten
  • SRL – Baden Württemberg, Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung e.V.
  • DASL, Landesgruppe Baden-Württemberg, Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung
  • Werkbund Baden-Württemberg, Stadtgruppe Stuttgart
  • Stadtplanungsforum Stuttgart e.V.
  • AUFBRUCH Stuttgart e.V.
  • Klima- und Umweltbündnis Stuttgart
  • Fakultät Architektur und Stadtplanung, Universität Stuttgart
  • Studiengang Stadtplanung, Hochschule für Technik (HFT), Stuttgart
  • Fachbereich Architektur, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK), (Lehrstuhl für Wohnbau, Grundlagen und Entwerfen,  Reallabor Space Sharing)
  • Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt und Stadtplanung, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen“

VerfasserIn:  Ina Westheiden & Sarah Behrens // Text: Positionspapier des Informellen Stadtentwicklungsdialogs Stuttgart, Flyer Januar 2019 / Fotos: Sarah Behrens / Grafik: Buero Mattschwarz, Stuttgart

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