SPACE SHARING: “NEW SOCIETY”!?

Der Titel New Society des donaufestival 2019 in Krems (AUT) kann Hoffnungen sowie Ängste wecken. Thomas Edlinger, künstlerischer Leiter des donaufestivals, schreibt dazu folgendes:

„Es heißt, die Gesellschaft ist gespalten oder zumindest pluralisiert. Ganz ohne Gesellschaftsvertrag würden politische Stämme und Egomonster das Kommando übernehmen. Ist die Vorstellung eines sozialen Verbunds am Ende oder baut sich die Gesellschaft bloß um? In der Rede von der New Society steckt der Hinweis, dass sich die Gesellschaft nicht einfach verabschiedet. In der Gesellschaft von morgen kommunizieren aber nicht nur Menschen mit Menschen und anderen Tieren, sondern auch mit Maschinen – und Maschinen mit anderen Maschinen.“

Das gesamte donaufestival 2019 hat ein vielfältiges Programm, an zwei Wochenenden, an verschiedenen Standorten in der Stadt Krems verteilt. Es spannt einen Bogen zwischen Performance, Tanz, Talk und Konzert und diskutiert zeitgenössische Positionen zum „Begriffsmonster Gesellschaft“ (Zitat Programmheft). Dabei verhandelt es nicht nur den Wandel der Gesellschaft, sondern stellt Fragen wie sich eine Gesellschaft ändert, wenn auch Automaten und Künstliche Intelligenz zum Zusammenleben beitragen.

Trailer donaufestival 2019

Die eindrucksvolle Performance „Uncanny Valley“ von Rimini Protokoll und Thomas Melle fordert ihr Publikum mit Fragen nach der kulturellen Programmierung und der Empathie des Menschen heraus. 
Der Begriff „Uncanny Valley“ auch Akzeptanzlücke genannt, beschreibt einen Effekt in der Akzeptanz der Zuschauer auf Roboter und anderen künstlichen Figuren. Dieser Effekt tritt auf, wenn einem Humanoiden menschliche Eigenschaften zugeschrieben, diese jedoch durch Mängel im nonverbalen Verhalten gestört werden.

In der Performance ist Thomas Melle nicht anwesend, zumindest nicht sein Körper aus Fleisch und Blut, sondern ein animatronisches Double von ihm. Der Roboter sitzt alleine auf der Bühne und hält einen 70-minütigen Vortrag. Thomas Melle füllt jedoch den Raum mit seiner persönlichen Geschichte über seine bipolare Störung und den parallelen zu Alan Turings Leben. Für eine gewisse Zeit ist Thomas Melle dadurch an zwei Orten gleichzeitig, in Krems auf der Bühne und an einem anderen unbekannten Ort, möglicherweise in einem Spa, wie der Humanoide im Stück selbst scherzt, fast so als wären Zeitreisen möglich.

Am Ende stellt sich die Frage, lassen wir uns hinreißen einem Humanoiden zu applaudieren, obwohl eigentlich niemand anwesend ist, der dies würdigen kann? Und gehorchen wir in einem solchen Moment nicht einem eingelernten Mechanismus, genauso wie es auch eine Künstliche Intelligenz tun würde?
Die Performance stellt somit wichtige Fragen zum Konkurrenzverhältnis von Original und Kopie und den damit einhergehenden Bedeutungsverschiebungen und konfrontiert uns mit einer besonderen Form des Space Sharings, in dem Subjekte an unterschiedlichen Orten gleichzeitig sind und verschiedene Objekte sich eine Entität teilen.

Das gesamte Thema New Society wirft existentielle Fragen auf: Was eint uns? Welche Zukunft erwartet uns? Wann ist ein Mensch ein Mensch? Die KünstlerInnen geben poetische, abstrakte, melodische, technoide Antworten.
Bleibt noch die Frage inwieweit Space Sharing in dieser Neuen Gesellschaft angekommen und implementiert ist?

VerfasserIn: Natascha Peinsipp & Felix Steinhoff //
Foto: https://www.rimini-protokoll.de/website/de/project/unheimliches-tal-uncanny-valley, 28.05.2019 / Text: Aus dem Pressetext von Thomas Edlinger / Video: https://www.donaufestival.at/de/programm/intro, 28.05.2019

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