OUTPUT BRUTAL HAPPY: CASA DEL POPOLO

Die Fragen von Teilhabe, Vielfalt und Begegnung sind in Jedermanns Munde. Was kann es jedoch bedeuten eine Casa del Popolo als Haus fürs Volk und Wohnzimmer des Quartiers umzusetzen? Was sollte geplant werden, wieviel sollte frei gestaltbar bleiben und wie steht dies in Verbindung mit Museen im 21. Jahrhundert?

Die StudentInnen des Semesterentwurfs Brutal Happy haben sich diesem Thema im Projekt Casa del Popolo gewidmet. Entstanden ist ein spannendes Konzept welches viel Spielraum für Space Sharing bietet und sowohl die NutzerInnen, als auch die PlanerInnen vor neue Herausforderungen stellt:

Visualisierung, Casa del Popolo

Als Stadt in der Stadt wächst in der Wiener Stadthalle das Casa del Popolo. Alle für das städtische Leben charakteristische Nutzungen wie Gewerbe, Sport und Kultur, Bildung, Gastronomie temporäres Wohnen und Arbeiten sowie Bildungseinrichtungen und Vekehrsflächen spiegeln das städtische Alltagsleben wieder und spielen sich in komprimierter Form unter dem Dach der Stadthalle ab. So entsteht ein Ort der Durchmischung und Urbanität. Eine Struktur, ähnlich der einer Altstadt wird zunächst von Planern entworfen. Definiert wird ein vorgegebener Bebauungsplan, in welchen Bereichen das Casa del Popolo Top-Down und im Gegensatz dazu Bottom-Up entstehen kann. Durch das integrierte Bottom-Up-Prinzip kann sich die Struktur im Laufe der Zeit anpassen und verändern – je nachdem welche Akteure sich in der Struktur befinden und welche räumlichen Voraussetzungen diese benötigen. Als Hauptakteure agieren das AzW (Architektur Zentrum Wien), die Kiesler-Stiftung sowie die Kunsthalle, deren Räumlichkeiten ebenfalls innerhalb der Casa del Popolo untergebracht sind.

Bebauungsplan, Casa del Popolo

DER PROZESS

Als Ursprung des Casa del Popolo steht der Ansatz des Architekturzentrums Wien Architektur und Kultur für alle gesellschaftlichen Ebenen erfahrbar zu machen. Architektur soll dabei neu definiert und neu gedacht werden, denn Architektur geht jeden etwas an und jeder soll sich einbringen können. Das macht Urbanität aus. Die gegenseitige Beeinflussung von Mensch und Architektur soll dabei gestärkt und sichtbar gemacht werden. Die Architektur soll wieder einen menschlichen Maßstab erhalten. Das AzW kontaktiert uns als Planer mit der Idee, dieses Konzept in der Wiener Stadthalle umzusetzen.

Es entsteht ein Zusammenschluss von uns Planern mit anderen Akteuren. Vertreter der Bereiche Kunst / Kultur, Sport, Gewerbe, Gastronomie usw. werden eingebunden und stellen ein Gleichgewicht dieser Partner in der Stadthalle her, indem sie prozentual Flächenanteile für jeden Bereich festlegen. Dies dient als Grundlage für ein von uns beispielhaft durchgespieltes Szenario, welches sich in unseren Plänen verbildlicht.

Nun beginnt der Transport dieses Prozesses an die Öffentlichkeit. Zu Beginn existiert lediglich ein festgelegtes öffentliches Wegenetz, an dessen Kreuzungen Plätze entstehen. Für die an einem Bauplatz interessierten Institutionen gibt es ein Bewerbungsverfahren, bei welchem sie ihre Ideen für die Wiener Stadthalle präsentieren können. Zu Beginn übernimmt der Zusammenschluss aus uns Planern mit den vorerst eingebundenen Vertretern die Entscheidungsgewalt. Sobald eine Institution einen Platz in der Stadthalle erhalten hat, wird sie von einer intern gewählten Person – oder je nach Größe der Institution auch von mehreren – im Gremium des Casa del Popolo vertreten und bestimmt somit bei allen weiteren Entscheidungen mit. So können wir Planer uns nach und nach aus dem Prozess zurückziehen.

Für die multifunktionalen Flächen gibt es im Gegenzug dazu kein Bewerbungsverfahren. Hier gilt das Motto: first come – first serve.

Die Umsetzung der Bauten liegt dann in der Hand der Institutionen. Sie bestimmen einerseits, wer den Bau umsetzt und andererseits auch die Gestaltung dessen. Sie legen also nicht nur die Nutzung, sondern auch die Materialen, die Inneneinrichtung usw. fest. Lediglich die äußere Form des Gebäudes ist durch das Wegenetz vorgegeben. So wird vermutlich ein heterogenes, urbanes Gebilde in der Wiener Stadthalle entstehen, in welchem verschiedene Formen und Ebenen der Architektur von Neubauten über Innenraumgestaltung, temporäre Installationen, provisorische Architektur, Umbauten, Restaurierungen usw. praktiziert werden können.

Funktionsschemata UG, Casa del Popolo
Funktionsschemata UG, Casa del Popolo
Funktionsschemata 1OG, Casa del Popolo
Funktionsschemata 2OG, Casa del Popolo
Funktionsschemata 3OG, Casa del Popolo
Funktionsschemata 4OG, Casa del Popolo
Zoom In Marktplatz, Casa del Popolo

VerfasserIn: Sarah Behrens // Studentische Arbeiten & Text: Sara Enab, Lena Gössel, Svenja Krüger, Philipp Ma & Katharina Müller / Lehrende: Sarah Behrens, Mark Blaschitz, Natascha Peinsipp, Felix Steinhoff & Ina Westheiden

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