RESÜMEE: BRUTAL HAPPY – ENTWURF (MA) WINTERSEMESTER 19/20

Auf Anfrage der Direktorin des Architekturzentrum Wien (AzW) Angelika Fitz, hat das Reallabor Space Sharing gemeinsam mit dem The Baukunst Studio (Lehrstuhl für Wohnbau, Grundlagen und Entwerfen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) im Wintersemester 2019/20 eine Kooperation zur Bearbeitung der Wiener Stadthalle auf die Beine gestellt. So wurde ganz im Sinne der Forschungsfrage des Reallabor Space Sharing nach der Umsetzung und Auswirkung von Nutzungsüberlagerungen und Mehrfachnutzungen in Bestandsgebäuden, unter dem Titel Brutal Happy, in diesem Semester die Um- bzw. Nachnutzung der Wiener Stadthalle des Architekten Roland Rainer thematisiert.

Plakat Brutal Happy, Happy Brutal / Grafik: Tamara Wirth (ABK Stuttgart)

Die Stadthalle Wien ist die größte multifunktionale Veranstaltungsstätte und eine der wichtigsten Architekturikonen Österreichs. Da die Eventhalle den aktuellen Ansprüchen für Großveranstaltungen nicht mehr genügt, soll sie in den kommenden Jahren geschlossen werden und durch eine neue Arena im Wiener Stadtraum ersetzt werden. Das Gebäude steht jedoch unter Denkmalschutz und ist durch seine weltweite Bekanntheit Aktivator eines regen Diskurses, was nach der Schließung der Halle passieren soll.

Einer der ersten InteressentInnen ist nicht zuletzt durch den spannenden Architekturbezug das AzW. Die Räume des AzW im Wiener Museumsquartier sind seit vielen Jahren bereits zu klein. Die Sammlung und Archive sind zum Teil in der Stadt verstreut, regelmäßige Wechselausstellungen sind durch die geringe Größe des Ausstellungsraumes begrenzt und die Idee für eine neue und vor allem größere Dauerausstellung steht im Raum. Auf den ersten Blick ist jedoch ersichtlich, dass die Wiener Stadthalle für einen einzelnen Akteur zu groß wäre. So wünscht sich Angelika Fitz, die die Leitung des AzW 2017 übernommen hat, ein Zusammenspiel verschiedener Akteure wie z.B. der Kunsthalle Wien und der Kiesler Stiftung inkl. Sammlungen, die sich die Halle teilen und gleichzeitig auch die Öffnung der Halle für die Wiener Bevölkerung vorantreiben könnten. Um diesen Wunsch in Konzeptionen zu verwandeln, die u.a. als Anregung in den weiteren politischen Diskussionen und Verhandlungen zu tragen kommen könnten, kam die Idee der Zusammenarbeit mit dem Reallabor Space Sharing zustande.

Interessant für das Reallabor ist die Stadthalle, neben der Aufgabenstellung der Nach- bzw. Umnutzung des Bestandsgebäudes, aufgrund der flexibel nutzbaren Halle D, welche schon von dem Architekten Roland Rainer multifunktional bespielbar (zum Beispiel für Sportveranstaltungen, Shows, Ausstellungen, Theater- und Kinoveranstaltungen) geplant wurde. Elemente wie einziehbare Tribünen und meter hohe Vorhänge ermöglichen u.a. diese Wandelbarkeit der Halle, welche für eine Nutzung im Sinne des Space Sharings bereits damals zukunftsweisendes Beispiel ist.

Präsentationszeichnung der Wiener Stadthalle, Zeichnung von Roland Rainer
aus dem Roland Rainer Archiv Wien

Um das Semester zeitlich voll ausnutzen zu können, haben die StudentInnen bereits in den Semesterferien zur Aufgabe bekommen auf Grundlage alter Archivpläne von Roland Rainer die Wiener Stadthalle 3D zu konstruieren. So konnte mit dem Semesterstart direkt angefangen werden zu entwerfen und in die, nicht zuletzt durch ihre schiere Größe, hoch komplexe Thematik einer Um- bzw. Nachnutzung der Halle einzusteigen.

Nach einer kurzen Konzeptionsphase in Stuttgart, in der zahlreiche Collagen zu verschiedenen Entwurfsthemen entstanden, wurde das Reallabor Space Sharing gemeinsam mit dem The Baukunst Studio vom Architekturzentrum Wien zu einem Workshop im Zeitraum vom 2.11. – 8.11. nach Wien eingeladen. Dieser Workshop war der eigentliche Auftakt für den Entwurf des Wintersemesters 19/20 Brutal Happy – Die Wiener Stadthalle. Ziel des Workshops war neben der Entwicklung gesellschaftlicher und architektonischer Visionen für eine Nachnutzung der Stadthalle, Teil des aktuellen Diskurses, um die Zukunft der Wiener Stadthalle zu werden. Zu Beginn des Workshops gab es eine Führung durch die Stadthalle, damit die StudentInnen und MitarbeiterInnen die einzigartige Atmosphäre der Wiener Stadthalle selbst erleben konnten. Im anschließenden Gespräch mit Angelika Fitz im Architekturzentrum Wien, wurde über die Wünsche, Visionen und Ideen für eine Nachnutzung der Stadthalle nochmals ausgiebiger gesprochen.

Wunsch des AzW ist neben den funktionalen Ansätzen und Akteuren, dass die Wiener Stadthalle als einstiges Leuchtturmprojekt von Roland Rainer, auch als solches in seiner zukünftigen Nutzung dienen soll. So stand vor allem das Alleinstellungsmerkmal der Umnutzung und neuen Funktion sowie der Wunsch dadurch auch das angrenzende Quartier aufzuwerten im Fokus.

Es entstand ein Raumprogramm das u.a. folgende Akteure umfasst:

  • das Architekturzentrum Wien (AzW)
  • die Kunsthalle Wien
  • die Kiesler Stiftung
  • sowie Räume für kleine Dauerausstellungen, Studiensammlungen und geteilte Ausstellungsmöglichkeiten für Wechselausstellungen.

Neben diesen Kulturinstitutionen wurden von Angelika Fitz jedoch auch Kombinationen mit neuen Institutionen ins Spiel gebracht, wie zum Beispiel:

  • die Casa del Popolo (=Volkshaus des 21. Jahrhunderts) als ein niederschwelliges Begegnungszentrum
  • ein Kultur-, Lern-, Makers-Raum
  • urban Sports Nutzung
  • oder Jugendkultur.

Während der folgenden Tage wurde dann in Teams und als großes Kollektiv an sieben verschiedenen Varianten zur Nachnutzung, welche sich intensiv mit dem Thema Space Sharing auseinandersetzen, gearbeitet. Unser Arbeitsort war das innerstädtische Archiv des AzW mit dem Nachlass von Roland Rainer.

Am Ende der Woche, am 8. November, gab es ein Review im Podium des Architekturzentrums mit Angelika Fitz und Karin Lux (Geschäftsführerin des AzW), Klaus Stattmann (Architekt), Elisabeth Mayerhofer, Büroleiterin von Veronica Kaup-Hasler (Amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien) und Florian Reither, von der Künstlergruppe Gelitin.

In der angeregten Diskussion kam vor allem stark hervor, dass eine Mischung der verschiedenen Kultur und Eventbereiche wünschenswert ist. So sollte die Halle neben den kulturellen Einrichtungen des AzW, Kunsthalle Wien und Kiesler Stiftung auch die Möglichkeit bieten Sport- oder kleinere Musikevents auszurichten. Die Teilung der Halle und Überlagerung von Flächen sowie die Öffnung für die Wiener Bevölkerung wurde bei der Diskussion durchweg positiv angesehen. In der Kritik stand vor allem, dass die Entwürfe der StudentInnen mutiger werden dürfen und gerne auch mal ein Schwimmbecken für einen Wal beinhalten dürften.

Zurück in Stuttgart wurden die sieben Themenblöcke präzisiert, kombiniert und nach Auswahl der StudentInnen vertieft ausgearbeitet.

In den Visionen der Studierenden zeigt sich, wie sich die Wiener Stadthalle mittels unterschiedlichster Ansätze zu einem diversen Stadtlabor als Wissens- und Kulturstätte wandeln könnte. So entstanden in den Midterms und Korrekturterminen sehr anregende Diskussionen zu dem Thema wie die Stadthalle Wien nach ihrer Schließung um- bzw. nachgenutzt werden kann, welche Methoden und Ansätze aus dem Bereich Architektur und Kunst zur Archivierung des Gebäudes herangezogen werden könnten, wie man eine Stadthalle zu einer Halle der Stadt machen kann, Flächenauflösung von öffentlich und privat, Statusveränderung von Besitz zu Teilen, die Legitimierung und Neudefinition von Museen, Betriebsstrukturen und vieles mehr. Nebenbei kamen immer wieder relevante Themen für die Entscheidung über zukünftige Veränderungen in unseren Städten über Urbanisierung, Zukunftstrends, Globalisierung, Postfordismus, Wissenskultur, Gesellschaft, Individualisierung, Partizipation, alternative Energiegewinnung, Mobilität, Wohnen, New Work, u.d.gl. auf. Als runden Semesterabschluss kam zur Endpräsentation Angelika Fitz dann nochmals als Gastkritikerin dazu.

Entstanden sind am Ende in Gruppenarbeit eine Sammlung von 5 Projekten Projekten verschiedener Formate, deren ausführliche Beschreibung in den einzelnen Projektbeiträgen auf dem Blog zu finden sind.

EXHIBITION MACHINE

Exhibition Machine

Die Wiener Stadthalle wird im Projekt Exhibition Machine vermutlich ganz im Sinne des Architekten Roland Rainer, aber mit Sicherheit im Sinne des AzW umgewandelt. So entsteht ein flexibles hydraulisches Ausstellungssystem, dass ohne längere Auf- und Abbauphasen auskommt und keine direkten Zuordnungen der Institutionen erfordert. Der Raum kann so jederzeit neu verhandelt und flexibel genutzt werden, wie durch die einzelnen festen Akteure benötigt. Durch die untere Ebene und den Schnürboden als Nutzräume, können Aufbau und Ausstellung parallel geschehen. Ein schneller und unkomplizierter Umbau innerhalb kurzer Intervalle ist somit möglich und macht selbst die Idee einer Dauerausstellung laut Angelika Fitz obsolet. Das alles leistet die Wiener Stadthalle mit der Prämisse sich bei Bedarf immer wieder zu ihrer Ausgangsform zurückentwickeln zu können und wie gehabt als Veranstaltungshalle zu funktionieren, sodass wie gewünscht auch andere Akteure z.B. aus dem Bereich urban Sports problemlos die Halle mitnutzen könnten und zu einem lebhaften Ort mitten in Wien machen. Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Konzepts ist jedoch die Kommunikations- und Kompromissbereitschaft der Akteure. Die Potentiale der Flächenausnutzung selbst im vertikalen Raum der Wiener Stadthalle, können in der Theorie aber überzeugen.

Exhibition Machine

CASA DEL POPOLO

Casa del Popolo

Als Stadt in der Stadt wächst in der Wiener Stadthalle das Casa del Popolo. Alle für das städtische Leben charakteristischen Nutzungen wie Gewerbe, Sport und Kultur, Bildung, Gastronomie temporäres Wohnen und Arbeiten sowie Bildungseinrichtungen und Verkehrsflächen spiegeln das städtische Alltagsleben wieder und spielen sich in komprimierter Form unter dem Dach der Stadthalle ab. So entsteht ein Ort der Durchmischung und Urbanität. Eine Struktur, ähnlich der einer Altstadt wird zunächst von PlanerInnen entworfen. Definiert wird ein vorgegebener Bebauungsplan, in welchen Bereichen das Casa del Popolo Top-Down und im Gegensatz dazu Bottom-Up entstehen kann. So kann sich die Struktur im Laufe der Zeit anpassen und verändern – je nachdem welche Akteure sich in der Struktur befinden und welche räumlichen Voraussetzungen diese benötigen. Als Hauptakteure agieren zu Beginn das Architekturzentrum Wien, die Kiesler-Stiftung sowie die Kunsthalle Wien, deren Räumlichkeiten ebenfalls innerhalb der Casa del Popolo untergebracht sind. So entsteht ganz im Sinne von Angelika Fitz ein Haus fürs Volk, in dem neben den kulturellen Institutionen etliche weitere Akteure, temporäre und permanente, ihren Platz finden können. Hierdurch können lebhafte Wechselbeziehungen entstehen, in denen trotz alledem jede Institution seinen eigenen festen Platz hat. Die Struktur bietet durch seine flexible Vermietung und stetigen Wandel jedoch das große Potential, bei Bedarf auch mal mehr Fläche anzumieten und es könnte dazu anregen ungewöhnliche Kooperationen einzugehen.

Casa del Popolo

RESEARCH HUB

Research Hub

In der Wiener Stadthalle sollen die Akteure von Kunst, Bildung und Wissenschaft zusammenkommen und so zu einem Zentrum für Forschung und Vermittlung werden, wie es noch nicht existiert. Heutzutage ist die Wichtigkeit von transparenter Wissenschaftskommunikation immens gestiegen. Das Prinzip ist ein ständiger Forschungsprozess, der von gesellschaftlich relevanten Themen angetrieben wird und durch verschiedenste Akteure aufgegriffen, kombiniert und behandelt wird. Forschende, Experten und Interessierte aus verschiedensten Bereichen – treten temporär in die Wiener Stadthalle ein. Die erforschten Erkenntnisse werden angewandt, mit der Architektur in Verbindung gebracht und dann zu einer öffentlichen Ausstellung formatiert. Hierdurch gelangen diese Informationen wieder an die Außenwelt. Durch das AzW als Aktivator entsteht somit ein Netzwerk aus Experten und Laien, woraus sich neue, gesellschaftsrelevante Errungenschaften ergeben können.

Bei der Abschlusspräsentation wurde mit Angelika Fitz vor allem kritisch diskutiert, dass Grundsätzlich der Bedarf an der Verflechtung zwischen Forschungsthemen in die Gesellschaft und vor allem in die Architektur große Relevanz haben. Außerdem würde ein solcher Hotspot dem AzW verhelfen problemlos und stetig am Zahn der Zeit mitzuwirken. Wo der Entwurf jedoch inhaltlich durchaus überzeugen kann, stehen bezüglich der gestalterischen Ausformulierung des Entwurfs erhebliche Fragen im Raum. Sind transparente Röhren tatsächlich ein Mittel der Vernetzung oder ermöglichen sie lediglich Blickbezüge ohne weitere Tiefe? Durch die verschiedenen Bereiche (öffentlich zu privat) und Erschließungen ist es möglich diesen tieferen Kontakt herzustellen, aber gleichzeitig grundlegende Bedingungen, die in der Forschung wichtig sind aufrecht zu erhalten, um somit den Arbeitsprozess nicht einzuschränken. Doch könnte dies noch effektiver gelöst werden? Denn der Forschungsalltag sieht, je nach dem welchen Inhalt er trägt, nicht unbedingt aus wie wir ihn uns vorstellen, denn zumeist findet neben Labortätigkeiten vieles am Computer statt. Warum dann diese Grenzziehung zwischen den Besuchern der Stadthalle Wien und der Forschung, denn Transparenz vermittelt nicht immer Transparenz. Und ist bei solch einem wichtigen Thema wie dem der Wissenschaft nicht Kommunikation wichtiger als visuelle Bezüge? Durch diesen Entwurfsansatz soll eine Verbindung hergestellt werden, eine Vernetzung zwischen der Gesellschaft und der Forschung, doch wie kann diese räumlich ermöglicht werden? Eventuell muss auch in andere Richtungen und in anderen Perspektiven gedacht werden, vielleicht sollte die Forschung selbst zum Exponat werden, abstrahieren und nicht nur abbilden, um somit das Interesse zu wecken, anzuregen und zu fesseln.

Research Hub

STUDIE: HALLE ARCHIVIEREN

Bei den Überlegungen, auf dem Areal der Stadthalle ein Architekturmuseum unterzubringen, entsteht ergänzend zu den Planungen im Bestand auch die Diskussion über den Neubau eines Museums. Doch wäre es nicht schade, die gesamte Stadthalle einfach abzureißen? Sollte der Halle nicht ein Denkmal gesetzt werden oder könnte man gar Teile davon archivieren? Aber wie archiviert man Architektur? Und was sind die Merkmale der Wiener Stadthalle die ihr ihre Besonderheit verleihen? Kann man sich dabei an Methoden der Kunst oder Wissenschaft orientieren? Wie wird Architektur zum Ausstellungsobjekt? Was an der Wiener Stadthalle ist tatsächlich würdig archiviert zu werden und wer entscheidet dies? Der spannende Gedanke ein Gebäude archivieren zu können und anschließend wieder in einem Museum auszustellen bietet große Potentiale, die neben der Möglichkeit einen Neubau zu erhalten dem AzW mit Sicherheit zu Gute kommen würden.

Zu diesen Fragen haben die StudentInnen Studien in denen sie anhand von festgelegten Parametern die baulichen und atmosphärischen Besonderheiten der Wiener Stadthalle umrissen. Beginnend mit dem Gedanken lediglich einen der Rainer‘schen Stühle zu erhalten, arbeiten sie sich an den Maßstäblichkeiten der Stadthalle entlang bis zurück zum Erhalt der gesamten Halle. Parallel entstehen anhand der ermittelten notwendigen Baumasse für einen Museumsneubau auf Basis geometrischer Grundformen Baukörper, die je zu einem Archivierungsgedanken zugeordnet werden können. Mithilfe von Entwürfen bereits bestehender Museen und Utopien werden zusätzlich Bauformen zitiert und in Relation gestellt. Aus der Kombination dieser Layer resultiert ein Wechselspiel zwischen den jeweiligen Archivierungsgedanken und einem potentiellen Neubau.

POSTKARTENSAMMLUNG: FOOD FOR THE MIND

Im 21. Jahrhundert, in Zeiten von Digitalisierung und Virtual Reality stellt sich die Frage, in wieweit ein Museum als Raum für Forschung, Sammlung und Ausstellung überhaupt noch notwendig ist. Nach dem kulturpolitischen Auftrag sollte die Kunst frei sein können. Aufgrund der politischen Zusammenhänge und vor allem durch die Abhängigkeit der Finanzierung und diverser Sparprogramme sind Museen bereits Teil des Systems und alles andere als wirklich frei. So könnte die Wiener Stadthalle zu einem sinnlichen Erlebnisort für die ganze Familie werden, ganz ohne Museum. Denn diesen Anforderungen kann ein Museum kaum mehr gerecht werden. Sie stehen unter Legitimierungsdruck und kämpfen um den Selbsterhalt.

Mit Food for the mind? haben die StudentInnen des Semesterentwurfs Brutal Happy eine Projektsammlung eröffnet, in der sie alle im Semester entstandenen Ideen die augenscheinlich mit der Funktion Museum nicht vereinbar sind, in schnellen Collagen festgehalten haben. Ursprünglich als Ideen ohne die Funktion Museum gedacht, ist es sehr interessant sich die verschiedenen Ansätze im Bezug zu Museen und Ausstellungskonzepten zu denken. Auch Angelika Fitz erkennt spannende Ansätze und Potentiale für neuartige Ausstellungskonzepte, die neue Zielgruppen ansprechen könnten. Ob diese in der Realität jedoch so tauglich sind, blieb in dem Gespräch eher offen. Eines steht jedoch fest, die Bilder machen die Gedanken frei und ermöglichen um die Ecke zu denken und dabei gegebenenfalls doch auf unerwartete Kombinationen zu stoßen.

Die Wiener Stadthalle als…

RESÜMEE

Abschließend lässt sich über die Entwürfe der StudentInnen zusammenfassen, dass die verschiedenen Transformationskonzepte für die Bestandsstruktur einerseits das Gebäude zu bewahren versuchen, andererseits jedoch auch nicht davor zurück schrecken Veränderungen, Umbauten und Weiterführung der Gebäude Struktur ins Auge zu fassen. Hierbei ist die Forderung ersichtlich, dass sich die Wiener Stadthalle in Zukunft schrittweise zu einem Ort bzw. Quartier der Vielfalt transformiert und restrukturiert werden soll. Dabei wird meist eine weitgreifende Umstrukturierung auch der Bestandshalle notwendig sein, was die DenkmalschützerInnen in der Umsetzung wohl vor die ein oder andere Herausforderung stellen würde. Hierbei ist jedoch bemerkenswert, wie die StudentInnen auf bereits Gegebenes reagieren und Ideen die der Architekt der Halle bereits von Beginn an mitgedacht hat, wie beispielsweise die flexible Gestaltung der Tribünen in ihren eigenen Entwürfen eine zeitgemäße Übersetzung finden. Dies ist vor allem bei dem Projekt Exhibition Machine klar erkennbar.

Exhibition Machine

Bei genauer Betrachtung der verschiedenen Arbeiten stellt sich heraus, dass obwohl Space Sharing in diesem Semester keine verbindliche Vorgabe des Entwurfs war, die Ansätze hierzu doch in den meisten Arbeiten zu finden sind. So wird die Halle unter verschiedenen Faktoren an verschiedene Nutzer teils zu verschiedenen Zeiten aufgeteilt und es beginnt eine Neuverhandlung über Raum. Der Umgang mit dem Tool Space Sharing wirkt jedoch recht zaghaft, beinahe beiläufig und könnte unserer Meinung nach radikaler ausformuliert werden, um so zu noch zukunftsweisenderen Visionen zu gelangen. Die Beiläufigkeit lässt jedoch auch darauf schließen, dass Großstrukturen wie beispielsweise die Wiener Stadthalle für die Teilung von Raum sehr geeignet sind, da die Fläche meist zu groß ist, um von nur einem Akteur bespielt zu werden und somit für Space Sharing großes Potential bieten.

Casa del Popolo

In den Entwürfen wird klar ersichtlich, dass die monofunktionale Widmung von Flächen für Wohnbau, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr, Veranstaltungen, Sport und diverser Sondernutzungen in unseren Städten der Moderne, nicht mehr zeitgemäß ist und diese neu in Beziehung gesetzt werden müssen. Die Funktionsdurchmischung spielt in den verschiedenen Szenarien der Studierenden eine sehr zentrale Rolle. So ermöglicht Space Sharing eine Nutzungsintensivierung von dem Bestandsgebäude, teils ganz neuer Art und teils in Verbindung mit der bestehenden Funktion der Veranstaltungshalle als Austragungsort für Großevents im Bereich Sport und Kultur und schafft Zuversicht für eine neue Nutzung der Wiener Stadthalle.

Research Hub

VerfasserIn: Sarah Behrens & Ina Westheiden // Studentische Arbeiten & Grafiken: Sara Enab, Lena Gössel, Svenja Krüger, Philipp Ma & Katharina Müller / Fotos: Sarah Behrens, Natascha Peinsipp / Lehrende: Sarah Behrens, Mark Blaschitz, Natascha Peinsipp, Felix Steinhoff & Ina Westheiden

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