RESÜMEE: BRUTAL HAPPY – ENTWURF (MA) WINTERSEMESTER 19/20

Das Reallabor Space Sharing hat gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Wohnbau, Grundlagen und Entwerfen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Wintersemester 2019/20 den Master Entwurf Brutal Happy konzipiert und betreut. Die Ergebnisse der StudentInnen haben wir Ihnen hier in den vergangenen Wochen präsentiert. Heute möchten wir die Ergebnisse nochmals aus der Sicht des Space Sharings erläutern und und in einem Resümee zusammenfassen.

Ganz im Sinne der Forschungsfrage nach der Umsetzung und Auswirkung von Nutzungsüberlagerungen und Mehrfachnutzungen in Bestandsgebäuden haben wir uns unter dem Titel Brutal Happy in diesem Semester mit der Um- bzw. Nachnutzung der Wiener Stadthalle des Architekten Roland Rainer beschäftigt.

Präsentationszeichnung der Wiener Stadthalle, Zeichnung von Roland Rainer
aus dem Roland Rainer Archiv Wien

Das vorgegebene Raumprogramm umfasste u.a.:

  • das Architekturzentrum Wien (AzW)
  • die Kunsthalle Wien
  • die Kiesler Stiftung
  • sowie Räume für kleine Dauerausstellungen, Studiensammlungen und geteilte Ausstellungsmöglichkeiten für Wechselausstellungen.

Neben diesen Kulturinstitutionen wurden Kombination mit neuen Institutionen mit ins Spiel gebracht, wie zum Beispiel:

  • die Casa del Popolo (=Volkshaus des 21. Jahrhunderts) als ein niederschwelliges Begegnungszentrum bzw. ein Kultur-, Lern-, Makers-Raum
  • oder urban Sports und Jugendkultur.

Als besondere Herausforderung im Entwurf wurde außerdem vorgegeben, dass die Wiener Stadthalle als einstiges Leuchtturmprojekt von Roland Rainer, auch als solches in seiner zukünftigen Nutzung dienen soll. So stand vor allem das Alleinstellungsmerkmal der Umnutzung und neuen Funktion im Fokus. Den StudentInnen war es hierbei jedoch frei gestellt die Stadthalle bei gehaltvoller Begründung auch abzureißen und einen Neubau zu errichten. Der reine Neubau fand nach einigen Versuchen in der Workshop Phase jedoch wenig Anklang bei den StudentInnen und so spielten viel mehr die Archivierung der Halle in verschiedenen Abstufungen sowie die Umnutzung vom Bestandsgebäude und der Wunsch dadurch auch das angrenzende Quartier aufzuwerten die zentrale Rolle während des Semesters.

Ein Denkmal für die Wiener Stadthalle, Collage

In den Visionen der Studierenden zeigt sich, wie sich die Wiener Stadthalle mittels unterschiedlichster Ansätze zu einem diversen Stadtlabor als Wissens- und Kulturstätte wandeln könnte. So entstanden sehr anregende Diskussionen zu dem Thema wie die Stadthalle Wien nach ihrer Schließung um- bzw. nachgenutzt werden kann, welche Methoden und Ansätze aus dem Bereich Architektur und Kunst zur Archivierung des Gebäudes herangezogen werden könnten, wie man eine Stadthalle zu einer Halle der Stadt machen kann, Flächenauflösung von öffentlich und privat, Statusveränderung von Besitz zu Teilen, die Legitimierung und Neudefinition von Museen, Betriebsstrukturen und vieles mehr. Nebenbei kamen immer wieder relevante Themen für die Entscheidung über zukünftige Veränderungen in unseren Städten über Urbanisierung, Zukunftstrends, Globalisierung, Postfordismus, Wissenskultur, Gesellschaft, Individualisierung, Partizipation, alternative Energiegewinnung, Mobilität, Wohnen, New Work, u.d.gl auf.

Entstanden sind am Ende in Gruppenarbeit eine Sammlung von Projekten und Formaten:

Die verschiedenen Transformationskonzepte für die Bestandsstruktur versuchen einerseits das Gebäude zu bewahren, schrecken jedoch andererseits auch nicht davor zurück Veränderungen, Umbauten und Weiterführung der Gebäude Struktur (die unter Denkmalschutz steht) ins Auge zu fassen.

Hierbei ist die Forderung ersichtlich, dass sich die Stadthalle in Zukunft schrittweise zu einem Ort bzw. Quartier der Vielfalt transformiert und restrukturiert werden soll. Dabei wird meist eine weitgreifende Umstrukturierung auch der Bestandshalle notwendig sein, was die Denkmalschützer in der Umsetzung wohl vor die ein oder andere Herausforderung stellen würde. Hierbei ist jedoch bemerkenswert, wie die StudentInnen auf bereits Gegebenes reagieren und Ideen die der Architekt der Halle bereits von Beginn an mitgedacht hat, wie beispielsweise die flexible Gestaltung der Tribünen in ihren eigenen Entwürfen eine zeitgemäße Übersetzung finden. Dies ist vor allem bei dem Projekt Exhibition Machine klar erkennbar.

Casa del Popolo

Bei genauer Betrachtung der verschiedenen Arbeiten stellt sich heraus, dass obwohl Space Sharing in diesem Semester keine verbindliche Vorgabe des Entwurfs war, die Ansätze hierzu doch in den meisten Arbeiten zu finden sind. So wird die Halle unter verschiedenen Faktoren an verschiedene Nutzer teils zu verschiedenen Zeiten aufgeteilt und es beginnt eine Neuverhandlung über Raum. Der Umgang mit dem Tool Space Sharing wirkt jedoch recht zaghaft, beinahe beiläufig und könnte unserer Meinung nach radikaler ausformuliert werden, um so zu noch zukunftsweisenderen Visionen zu gelangen. Die Beiläufigkeit lässt jedoch auch darauf schließen, dass Großstrukturen wie beispielsweise die Wiener Stadthalle für die Teilung von Raum sehr geeignet sind, da die Fläche meist zu groß ist um von nur einem Akteur bespielt zu werden und somit für Space Sharing großes Potential bieten.

Exhibition Machine

In den Entwürfen wird klar ersichtlich, dass die monofunktionale Widmung von Flächen für Wohnbau, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr, Veranstaltungen, Sport und diverser Sondernutzungen in unseren Städten der Moderne, nicht mehr zeitgemäß ist und diese neu in Beziehung gesetzt werden müssen. Die Funktionsdurchmischung spielt in den verschiedenen Szenarien der Studierenden eine sehr zentrale Rolle. So ermöglicht Space Sharing eine Nutzungsintensivierung von dem Bestandsgebäude, teils ganz neuer Art und teils in Verbindung mit der bestehenden Funktion der Veranstaltungshalle als Austragungsort für Großevents im Bereich Sport und Kultur.

Research Hub

VerfasserIn: Sarah Behrens & Ina Westheiden // Studentische Arbeiten & Grafiken: Sara Enab, Lena Gössel, Svenja Krüger, Philipp Ma & Katharina Müller / Lehrende: Sarah Behrens, Mark Blaschitz, Natascha Peinsipp, Felix Steinhoff & Ina Westheiden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben