DIGITAL LOUNGE #3: MICHAEL ZÜRN

Am 22.4. fand die Digital Lounge mit dem Politikwissenschaftler Michael Zürn statt.
Er ist der Meinung das Räume der Kommunikation, der Partizipation, der Interdisziplinarität genauso in einfachen Zweckbauten integriert werden sollen, wie sie schon in etablierte Kultureinrichtungen mitgedacht werden und spricht sich klar gegen soziale Segregation aus, weil die Wohnungsumgebung der stärkste Faktor für Armut und Ungleichheit ist. 
In der Städteplanung und Raumplanung ist es absolut sinnvoll und notwendig dem entgegenzusteuern. Als positives Beispiel, wie man den Wohnungsmarkt vom freien Markt entkoppelt und auch soziale Durchmischung erzeugt, wird die Stadt Wien und ihre Wohnbaupolitik seit den 1920er Jahren genannt. 

Michael Zürn beschreibt in seinem Vortrag die politischen Konfliktlinie Kosmopolitismus vs. Kommunitarismus. Diese „neue“ politische Konfliktlinie besteht aus Globalisierungsgewinner versus Globalisierungsverlierer und ist ideologisch in diesen drei Themen ablesbar: offene oder geschlossene Grenzen, Nationale Souveränität oder Transfer politischer Autorität und Mehrheitskultur oder Individualrechte/Toleranz. 
Die Global Governance – die internationalen Institutionen – welche für den Erhalt von Umwelt und Frieden eintreten sollten, befinden sich zurzeit in einer Legitimationskrise. Um aus dieser Krise herauszukommen und transnationale Institutionen wieder zu stärken bräuchte es eine Demokratisierung der Institutionen, ein politisches Zentrum und die Möglichkeit einer offenen Debatte & Diskussion.

In der nach dem Vortrag anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die derzeitige Coronakrise, der damit einhergehenden Isolation und Rückzug in die eigenen vier Wände. Die Anzahl der Wohnfläche pro Kopf in Deutschland liegt 2018 bei 46,7 m2. 1980 lag die Zahl bei 30,4 m2 und 1960 sogar nur bei 19,4 m2. Die beanspruchte Wohnfläche pro Person steigt und dies hat Folgen für die Umwelt. 
Die Möglichkeit und der Wille zum Verzicht auf private (Frei-)Räume geht einher mit der Erschaffung von qualitativen öffentlichen und nicht-öffentlichen Gemeinschaftsräumen.

Michael Zürn studierte Politikwissenschaften, Germanistik und Internationale Beziehungen an der Universität Tübingen und der Universität Denver. Seine Promotion schrieb er ebenfalls in Tübingen zum Thema Spieltheorie, Funktionalismus und internationale Politik.
Seit 2004 ist Michael Zürn Direktor der Abteilung „Global Governance“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin. Er war Mitbegründer der Hertie School of Governance in Berlin und der Berlin Graduate School for Transnational Studies an der Freien Universität Berlin.
Die Forschung von Michael Zürn umfasst Global Governance, internationale Institutionen und politische Theorie.
Ein wichtiges Thema in seinen Arbeiten ist der Konflikt zwischen Kosmopolitismus und Kommunitarismus. Dabei setzt er sich mit der Bedeutung von Grenzen und dem immer größer werdenden Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit im Zeitalter der Globalisierung auseinander.

VerfasserIn: Natascha Peinsipp // https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#zahl-der-wohnungen-gestiegen

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