DIGITAL LOUNGE #17 : ANGELIKA FITZ (ARCHITEKTUR ZENTRUM WIEN)

Am 1. Juli 2020 fand die Digital Lounge mit Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrum Wiens, statt. In ihrem Input erzählte sie von der Publikation und Ausstellung Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise, die sie 2019 gemeinsam mit Elke Krasny im Az W verfasste und kuratierte. Anhand von vier Kategorien präsentierte uns Angelika Fitz Fallbeispiele, zum Thema Critical Care in Architektur und Urbanismus aus dem Globalen Norden und Süden zusammengetragen, darunter Städte und ländliche Gebiete in Afrika, Asien, Europa, der Nahe Osten sowie Nord- und Südamerika. Alle Beispiele zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Verbindungen zwischen und die Verhältnisse von Ökonomie, Ökologie und Arbeit untersuchen.

Der Planet, auf dem und mit dem wir leben, ist erschöpft, ausgelaugt, verbraucht, geschädigt, in der Krise. Kurzum, er befindet sich in einem Zustand, in dem er dringend der Intensivpflege bedarf. Aus dieser Perspektive von Critical Care bestimmen wir das Verhältnis von Architektur und Urbanismus zu unserem Planeten für das 21. Jahrhundert neu.

Angelika Fitz

Architektur und Urbanismus sind immer mit dem befasst, was sein wird, mit dem Zukünftigen. Die Zukunft in einen guten Zustand zu bringen kann daher nicht auf der Weiterführung der bisherigen developergetriebenen und kapitalzentrierten Architektur und Stadtentwicklung beruhen, sondern auf der langfristigen Verpflichtung, für den Planeten Sorge zu tragen, um menschliches wie nicht-menschliches Leben zu ermöglichen. In unserer Zeit der katastrophalen Zerstörung begreifen wir die Ethik der Sorge, die Care Perspektive, als wichtigste Perspektive für Architektur und Urbanismus.

Architektur und Urbanismus für einen Planeten in der Krise: 21 Fallstudien

Nach unserer Auffassung sind Architektur und Urbanismus für die Pflege unseres Habitats, den Lebensraum und den Erhalt der Lebensqualität unabdingbar. Als Habitat verstehen wir dabei Lebensräume verschiedenster Ausmaße, vom Wohnzimmer bis zur Region, vom Schulhof bis zur Großstadt, vom Flüchtlingslager bis zum gesamten Planeten. Eine Ethik der Sorge in Architektur und Urbanismus muss auf der Vernetzung des Lokalen mit dem Globalen basieren.

Sorgetragen für Wasser, Grund und Boden

Obwohl die Fallstudien der 21 Projekte lokale Unterschiede aufweisen, da alle Teil ihres jeweiligen geografischen, wirtschaftlichen und politischen Kontexts sind, reagieren sie ohne Ausnahme auf die Interdependenz zwischen Lokalem und Globalem auf einem Planeten in der Krise. Während moderne Architektur sich an der Tabula-rasa-Ideologie mit ihrem Mantra einer auf Fortschritt beruhenden besseren Zukunft orientierte, geht die Care Perspektive von dem aus, was ist, und arbeitet daran, die Zukunft zu reparieren.

Sorgetragen für den öffentlichen Raum

Angelika Fitz ist seit 2017 Direktorin des Architekturzentrum Wien. Zuvor war sie bereits international als Kuratorin, Gastprofessorin und Autorin im Bereich Architektur und Urbanismus tätig. Ihre Schwerpunkte sind die gesellschaftliche Kontextualisierung von Architektur, der Umgang mit Ressourcen und eine planetarische Perspektive. 2003 und 2005 hat sie den österreichischen Beitrag zur Architekturbiennale in Sao Paulo kuratiert. Sie ist international als Vortragende sowie in Beiräten und Jurien tätig, u.a. ist sie Mitglied des IBA Expertenrats des Bundes in Berlin.

Zu ihren aktuellen Ausstellungen und Publikationen gehören: Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise, die sie 2019 gemeinsam mit Elke Krasny im Az W kuratierte; das Buch zur Ausstellung ist bei MIT Press erschienen. Weitere Ausstellungen und Publikationen im Az W sind u.a. Assemble. Wie wir bauen (2017) und Downtown Denise Scott Brown (2018). Zuvor realisierte sie gemeinsam mit dem Goethe-Institut die internationalen Projekte Actopolis (2015–17), Weltstadt. Wer macht die Stadt? (2014–16) und We-Traders. Tausche Krise gegen Stadt (2013–15). 2010 kuratierte sie gemeinsam mit Martin Heller für das Deutsche Bauministerium Realstadt. Wünsche als Wirklichkeit und 2008 für die Kulturhauptstadt Linz 09 die Wanderausstellung Linz Texas; zuvor mit Ausstellungshäusern in Wien u.a. Reserve der Form (2003) und Kapital & Karma (2002).

VerfasserIn: Natascha Peinsipp // Text: Angelika Fitz und Elke Krasny, Ausschnitte aus der Einleitung der Publikation Critical Care. Architektur und Urbanismus für einen Planeten in der Krise / Lehrstuhl für Wohnbau, Grundlagen und Entwerfen / The Baukunst Studio, Reallabor Space Sharing, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Denken Sie Groß ist Teil des Mehrjahresprojekts Utopias Of Change.

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